Dresdner Tintenmanufaktur eröffnet Glashütte in Schwepnitz

 
 
Im Mai 1872 kaufte die Witwe von August Leonhardi, alleinige Inhaberin der Tintenfabrik in Dresden, eine Glashütte in Schwepnitz und begann mit der Produktion von Tintenflaschen. Der Betrieb entwickelte sich schnell zu einem für damalige Verhältnisse größeren Betrieb.
Die Gewichtung der Landwirtschaft von Schwepnitz verlor dadurch an Bedeutung, und es entwickelte sich eine starke Arbeiterschaft.
Wie die Glasindustrie das Schwepnitzer Ortsbild und das Leben im Ort beeinflußt hat, schildert hier Hugo Möhler in seinen Aufzeichnungen:
 
„ Um den von außerhalb zugezogenen Arbeitskräften Wohnmöglichkeiten zu bieten, ließ die Witwe des ehemaligen Besitzers August Leonhardi 1873 das mittlere Familienhaus auf der Hüttenstraße bauen. 1881 wurde dann rechts und links je ein Flügel angebaut. Um sich einen Stamm sesshafter Arbeiter zu halten, gab die Werkleitung denjenigen Arbeitern Darlehen für einen Hausbau, die willens waren, in Schwepnitz zu bleiben."
 
Auf diese Weise sind in Schwepnitz zahlreiche Wohnhäuser entstanden, z. B. an der Ruhlander Straße und an der Gustav-Sommer-Straße.
So ist es also nicht verwunderlich, daß die Einwohnerzahl bis 1900 auf ca.
1300 angestiegen war, von denen die meisten im Glaswerk Lohn und Brot fanden.
Das Glaswerk hatte damals ständig 350 Arbeiter beschäftigt, bei drei technischen und acht kaufmännischen Angestellten und dem Direktor.