Chronologie
Chronologie
• 1854 - Tintenmanufaktur erwirbt neue Fabrik auf Dresdner Grundstraße
• 1855 - Tintenfabrik Leonhardi meldet für ihre erste Tinte Patent an
• 1872 - Tintenmanufaktur eröffnet Glashütte in Schwepnitz
• 1883 - Firma Aug. Leonhardi gründet Betriebskrankenkasse
• 1896 - August Leonhardi stiftet Haus im schweizer Stil als Armenhaus
• 1901 - 75jähriges Jubiläum der Firma August Leonhardi
• 1932 - Glashütte "Leonhardi" verpachtet Glasofen
• 1972 - Glashütte "Leonhardi" wird zum VEB
1854 - Tintenmanufaktur erwirbt neue Fabrik auf Dresdner Grundstraße

Die ursprünglich als Niedermühle bezeichnete Mehlmühle (Grundstraße 60/62) entstand im 16. Jahrhundert und war bis Mitte des 19. Jahrhunderts in Betrieb. 1842 siedelte sich auf dem Areal eine Glasfabrik mit angeschlossener Gold- und Silberschmelze an. Da das Unternehmen jedoch wirtschaftlich wenig erfolgreich war, übernahm 1854 der Chemiker Christian August Leonhardi (1806-1865) das Gelände, um hier eine Chemische Fabrik einzurichten (Foto). Das Unternehmen produzierte vorrangig Schreibtinte und wurde dadurch international bekannt. Hinzu kamen Büroartikel wie Siegellack, Durchschreibpapier und Farbbänder für Schreibmaschinen, die vom Loschwitzer Stammsitz aus in alle Welt gingen.
Wegen der mit der Fabrik verbundenen Umweltbelastung erwarb die Stadt Dresden 1928 das Gelände und ließ die Gebäude 1936 abreißen. Leonhardi hatte zuvor seinen Betrieb nach Trachau verlegt, wo die Firma Leonhardi bis 1953 bestand und noch heute unter dem Namen “Barock” Tinten produziert. An Stelle des früheren Fabrikgebäudes legte man 1937 einen kleinen Park an, in dem auch zwei Skulpturen von Robert Diez Aufstellung fanden. Leider wurde die Grünanlage während des Zweiten Weltkrieges beim Bau eines Luftschutzbunkers beseitigt.
1855 - Tintenfabrik Leonhardi meldet für ihre erste Tinte Patent an
Am 29. Oktober 1855 erstellte LEONHARDI ein Patentgesuch an das Königlich-Sächsische Ministerium des Inneren zur Herstellung von „Alizarintinte“. Unter anderem führt er darin aus:
„Diese Tinte unterscheidet sich, wie das darüber einzuholende sachverständige Gutachten bestätigen wird, in der Bereitungsweise wesentlich und aufs Vortheilhafteste von den unter gleichem wie auch unter anderem Namen bereits bekannten nicht aus meiner Fabrik herrührenden Fabrikaten. Sie verdient daher mit Recht die bis jetzt bekannte beste und vollkommenste Tinte genannt zu werden.“
In Folge des Gesuches führt er ihre „Hauptvorzüge“ an:
1. „Sie ist frei von Säure und eignet sich vorzüglich für Stahlfedern, die von ihr nicht angegriffen werden.
2. Sie fließt, wohlt(h)ätig fürs Auge in schöner blaugrüner Farbe äußerst leicht aus Feder und verwandelt sich sehr bald ins tiefste Schwarz.
3. Sie bildet weder eine Kruste an den Stahlfedern, noch einen Bodensatz in den Tintengefäßen.
4. Sie ist unzerstörbar und widersteht den Einwirkungen von Säuren, Dämpfen und Zeit.
5. Endlich dient sie gleichzeitig als eine vorzügliche Copi(e)rtinte, die trotz ihrer Dünnflüssigkeit eine vollkommene schöne Copie liefert".
Das Ministerium des Inneren übergab das Patentgesuch Professor WILHELM STEIN, seit 1850 Lehrer für Technische Chemie an der Königlich-Sächsischen polytechnischen Schule zu Dresden, und ersuchte um ein Gutachten. In erstaunlich kurzer Zeit - binnen sechs Tagen - erarbeitete STEIN das Gutachten.
Hier offeriert er u.a. die Rezeptur:
„[...] verfertigt wird sie, der Beschreibung zufolge, indem eine stark concentrierte Abkochung von Krapp und Galläpfeln durch Filtrieren geklärt und mit einer Auflösung von Eisenvitriol [Eisen(II)-sulfat, d.V.], holzessigsaurem Eisen [Eisenacetat, d.V.] und schwefelsaurer Indigolösung vermischt wird.
Diese etwas vage Vorschrift ist mir auf mündliche Anfrage von dem Verfertiger dahin näher spezifiziert worden, daß aus 42 Loth [1 Loth = 17,5 g] Galläpfel und 3 Loth Krapp 5 Pfund und 20 Loth Abkochung gemacht und dazu 7 1/2 Loth Eisenvitriol, 2 Loth Indigolösung, 15 Loth Wasser und 3 Loth holzessigsaures Eisen gebracht werden.“ STEIN erwähnt ausdrücklich, dass es bereits „Alizarintintenverfertiger“ gäbe, so in Chemnitz und in Prag. Diesen Tinten aber sei eines gemeinsam:
unerwünschte Bodensatz. „Der Bodensatz, welchen die gewöhnliche Tinte macht“ - fährt STEIN in seinem Gutachten fort – „besteht aus gerbsaurem Eisenoxyd. Oxidul, welches bei Anwendung eines etwas oxydhaltigen Eisenvitriols schon von Hause aus in der Tinte enthalten ist, beim Stehen an der Luft aber sich in noch größeren Mengen und ununterbrochen fort sich bildet. Da dieses in Wasser unlöslich ist, so bleibt es nur durch das der Tinte beigemischte Gummi [Gummi arabicum, d.V.] anfänglich suspendiert, fällt aber zu Boden, wenn seine Menge sich mehr anhäuft.“
Da nun LEONHARDI keinen Gummi arabicum verwende, kommt es auch nicht zu Bodensätzen. STEIN erwähnt im Gutachten, dass er sich selbst bereits längere Zeit mit Tinten befasst habe und dass ihm auch LEONHARDIs Versuche nicht unbekannt seien.
Im Gutachten fasst er zusammen:
1. „sie enthält keinen Gummi
2. bildet keinen Bodensatz 3. schimmelt nicht.“
und kommt zu dem Schluss:
„Nach diesem Allen trage ich daher auch kein Bedenken die Alizarintinte des Kaufmanns AUGUST LEONHARDI von hier für patentfähig zu erklären.
Dresden, den 3. November 1855 W. Stein“
1872 - Tintenmanufaktur eröffnet Glashütte in Schwepnitz


Im Mai 1872 kaufte die Witwe von August Leonhardi, alleinige Inhaberin der Tintenfabrik in Dresden, eine Glashütte in Schwepnitz und begann mit der Produktion von Tintenflaschen. Der Betrieb entwickelte sich schnell zu einem für damalige Verhältnisse größeren Betrieb.
Die Gewichtung der Landwirtschaft von Schwepnitz verlor dadurch an Bedeutung, und es entwickelte sich eine starke Arbeiterschaft.
Wie die Glasindustrie das Schwepnitzer Ortsbild und das Leben im Ort beeinflußt hat, schildert hier Hugo Möhler in seinen Aufzeichnungen:
„ Um den von außerhalb zugezogenen Arbeitskräften Wohnmöglichkeiten zu bieten, ließ die Witwe des ehemaligen Besitzers August Leonhardi 1873 das mittlere Familienhaus auf der Hüttenstraße bauen. 1881 wurde dann rechts und links je ein Flügel angebaut. Um sich einen Stamm sesshafter Arbeiter zu halten, gab die Werkleitung denjenigen Arbeitern Darlehen für einen Hausbau, die willens waren, in Schwepnitz zu bleiben."
Auf diese Weise sind in Schwepnitz zahlreiche Wohnhäuser entstanden, z. B. an der Ruhlander Straße und an der Gustav-Sommer-Straße.
So ist es also nicht verwunderlich, daß die Einwohnerzahl bis 1900 auf ca.
1300 angestiegen war, von denen die meisten im Glaswerk Lohn und Brot fanden.
Das Glaswerk hatte damals ständig 350 Arbeiter beschäftigt, bei drei technischen und acht kaufmännischen Angestellten und dem Direktor.
1883 - Firma Aug. Leonhardi gründet Betriebskrankenkasse

"Schon 1883 hatte die Firma für gegenseitige Hilfe in Krankheitsfällen eine Kasse. Als 1883 die Krankenversicherungsordnung eingeführt wurde, entstanden die Betriebskrankenkasse der Firma August Leonhardi, deren Leistungen günstiger als die der Ortskrankenkasse waren."
Um bei Todesfällen die Hinterbliebenen finanziell zu unterstützen und den Altersrentnern unter gewissen Voraussetzungen ihre Rente etwas aufbessern zu können, wurde auf Veranlassung Eduard Leonhardis (Sohn von Christian August Leonhardi), der 1875 Besitzer der Glashütte wurde, 1901 eine Pensions-, Witwen- und Waisenkasse eingerichtet, zu der ausschließlich der Betrieb die Beiträge zahlte. Leider hat die Inflation 1923 die Einlagen zunichte gemacht."
1896 - August Leonhardi stiftet Haus im schweizer Stil als Armenhaus

Das ungewöhnliche Gebäude im Schweizerstil auf der Grundstraße 137 in Dresden wurde Ende des Jahres 1896 vom Tintenfabrikanten August Leonhardi als Armenhaus gestiftet. Heute dient das Haus Wohnzwecken. Hinter dem Schweizerhaus sind noch die Reste eines früheren Glimmergranitsteinbruchs zu sehen.
1901 - 75jähriges Jubiläum der Firma August Leonhardi
Im Jahre 1901 feierte die Firma Aug. Leonardi in Dresden das Fest ihres 75 jährigen Bestehens. Gegenwärtig eines der größten Etablissements auf dem Gebiete der Tintenfabrikation, hat die genannte Fabrik nicht allein für Ihre Fabrikate ein Absatzgebiet errungen, das alle Kulturstaaten der Erde umfasst, sondern Sie hat auch mit dem unermüdlichen, rein geschäftlichen Streben eine umfangreiche Tätigkeit auf dem Gebiete streng wissenschaftlicher Forschung verbunden.
Und wenn sie sich hierdurch allerdings zunächst eine sichere Grundlage für ihre eigene Fabrikation schuf, so erwarb sie sich gleichzeitig auch das Verdienst, wesentlich zur Förderung und zum Schutze des heutigen Schriftwesens, insbesondere des Urkundenwesens, beigetragen zu haben.
1932 - Glashütte "Leonhardi" verpachtet Glasofen
1932 pachtete der aus Ottendorf-Okrilla stammende Glasfachmann Horst Walther einen Schmelzofen in der „Klosterhütte" der Firma August Leonhardi.
Weil das Geschäft gut lief, kaufte Walther am 17. 04.1932 die Klosterhütte mit dem dazugehörigen Grundstück einschließlich Einbindestube und Zimmerei.
So entstand die zweite Glasfabrik, in der hauptsächlich veredeltes Wirtschaftsglas hergestellt wurde.
1972 - Glashütte "Leonhardi" wird zum VEB

Am 08. 08.1951 wurde das, in seiner Entstehungsphase von der Firma Leonhardi an horst walther verpachtete Glaswerk Horst Walther in den ersten VEB des Ortes Schwepnitz umgewandelt.
Das Glaswerk "Leonhardi" wurde viele Jahre im DDR-Kommunismus als Kommanditgesellschaft geführt, bis es dann am 01. 05.1972 dem VEB Glaswerk Horst Walther angegliedert wurde.
Gemeinsam wurden beide Betriebe zum größten Industriebetrieb des Landkreises Kamenz.
Betriebsteile bestanden in Kamenz, Ottendorf-Okrilla und Radeberg.


